Samstag, 25. Mai 2013

Champions League Final

We have been thinking about our friends Tara and Tyler a lot lately and yesterday we figured out that we met almost three years ago and invited them over to watch yet another Champions League Final with us and friends. Well, Bayern München is - again - playing in the final match. Felix basically forced me to go for a run this morning so he could watch all press conferences peacufully. Now he says he can imagine buying a Bayern shirt, as long as it is a Ribery one. So off we go to fan memorabilia frenzy.

Montag, 17. Dezember 2012

Heute morgen bin ich schon so hungrig aufgewacht, dass ich den ganzen Tag hätte essen können. Und das hab ich dann auch gemacht. Nur während der U-Bahn-Fahrt zu Helen nicht, da hab ich Herr Lehmann gelesen. Als ich am Abend nach Hause kam gab es Knödelgröstel und Reste vom Vortag und ich hab ein halbes Dutzend Freunde bei Facebook gelöscht. Man muss seine Vergangenheit echt hinter sich bringen.

Dienstag, 20. März 2012

Am Karolinenplatz ist etwas überfahren worden. Man kann nicht erkennen was es einmal war. Schon bin ich vorbeigefahren. Am Abend ist es weg.

Freitag, 2. Dezember 2011

Freitag, 2. Dezember 2011: Cellophantüten, Rotkohl und Jane Eyre

An diesem sonnigen Freitag verlasse ich das Büro um 13:34. Auf der Suche nach bunten Streuseln für mein Weihnachtskekse gehe ich zu Kustermann am Viktualienmarkt und kaufe Cellophantüten. Zellglasbeutel. An die kann ich mich noch von früher erinnern. Es gibt sie nur an Weihnachten und sie sind mit weihnachtlichen Motiven in Gold bedruckt. Außerdem schmecken sie komisch, wenn man sie in den Mund nimmt. Wenn man es als Kind einmal gemacht hat, muss man sie immer wieder probieren, um zu sehen, ob sie immer noch so schmecken. Diesmal hab ich es übrigens nicht gemacht. Ich vertraue darauf, dass sie immer noch den selben Geschmack haben. Sie liegen unzerknittert in ihrer Tüte. Die Streusel sind alle so blass. Die lasse ich im Laden, kaufe noch Zuckerringe. Blasse Streusel habe ich schon daheim. Dort angekommen mache ich mich an den ersten Rotkohlkopf. Ich habe zwei zu ungefähr 1,5 Kilo. Den ersten schneide ich schon mal in dünne Scheiben und mariniere ihn mit 8 EL Rotweinessig, Salz, Zucker, Zitronensaft und einem Schluck sauren Rotwein. Den haben wir wohl fürs VW-Bus ausleihen bekommen. Danke fürs Autoleihen. Grüße Merlin steht auf dem Etikett. Merlin, ich kenn keinen der Merlin heißt, aber gut. Den Rest kippe ich weg. Meine Hände färben sich rot. Noch einen Apfel, Rubinette, reingeschnitten. Danach gehe ich ins Cinema um die Ecke, um die neueste Verfilmung von Jane Eyre zu sehen. Es muss gut 20 Verfilmungen geben, ich kenne keine davon. Bei dieser muss ich selbst daheim noch weinen. Ich muss gestehen, dass ich die Hälfte nicht verstanden habe, da das Cinema seit geraumer Zeit nur noch Originalversionen ohne Untertitel zeigt. Macht nichts, geweint wird immer. Und da dieser Film in die Reihe derer eingehen wird, die ich mir mit allen Specials regelmäßig ansehe, werde ich ihn bald mitsprechen können. Nach Jahren des Schmachtens für Matthew Macfayden in einer anderen viktorianischen Verfilmung wird er nun durch Michael Fassbender ersetzt. Michael Fassbender lies meinen Blog! Zu Hause schneide ich zu Kashmir den anderen Rotkohl in feine Scheiben und mariniere ihn ebenso. Er nimmt die drei größten Schüsseln in meiner Küche ein. Das wird wohl nichts mehr mit den Keksen. Morgen wird er den ganzen Tag mit (frischem) Rotwein, Glühfixbeuteln und einer mit Nelken gespickten Zwiebel köcheln und zu unserem Schweinsbraten am Abend gegessen. Davor noch Johannisbeergelee dazu.




Sonntag, 13. November 2011

Bush im Backstage am 10.11.

Anja und ich gehen zu Bush. Es ist viel Zeit vergangen, seit mir Franzi 1997 ihre gebrauchte Sixteen Stone zum Gebrutstag geschenkt geschenkt hat. Alle sehen so aus wie man selbst und entsprechende Freunde vor 10 bis 15 Jahren. Und es ist, wie immer, ein willkommener Anlass, um seine Band T-Shirts auszuführen. Bevor das Konzert beginnt wird passenderweise


Showbiz von Muse gespielt. Gavin Rossdale ist immer noch ein Schnitzi. Er genießt es sichtlich wieder auf Tour zu sein. Das neue Album "Sea of memories" ist typischer Bush-Sound und die paar Lieder, die sie spielen könnten auch weniger beachtete und überhörte Lieder der alten Alben sein. Mir solls recht sein. Der neue Gitarrist hat lange Haare, einen beeindruckenden Bart (wie einige im Publikum auch) und ist sehr dünn und tänzelt wie ein Pony über die Bühne. Es fehlt nur, dass er wiehert. Gavin Rossdale fängt nach dem zweiten Lied an sehr zu schwitzen und hört bis zum Ende nicht damit auf. Alles tropft, die Haare, das T-Shirt, das Mikro, die Gitarre. Als wäre er Leck geschlagen. "Warum schwitzen die anderen nicht so" fragt Anja. Beim Gitarristen zieht vielleicht alles in den Bart, wer weiß. Oh, und es gibt viele Rockstarposen. Haare werden geschüttelt, Gavin Rossdale liegt immer wieder auf dem Boden oder singt gegen den Gitarristen gelehnt. Dann beginnt der Alptraum aller Security-Mitarbeiter. Er beginnt zu spazieren, er läuft an der Abgrenzung entlang und dann auf der uns gegenüberliegenden Seite durchs Publikum, einmal halb außenrum, dann, gegenüber der Eingangstür, quer durch die Menge auf die Bühne zu. Er singt und tanzt mit den Menschen vor der Bühne, die alle ihre Hände nach dem, nicht zu vergessen, sehr nassen Mann ausstrecken. Seine Beschützer sehen ziemlich erleichtert aus, als sie ihn über die Absperrung zurück auf die Bühne geschoben haben. Außerdem scheint er sich sehr für jemanden in der ersten Reihe zu interessieren, er geht mehrmals an die Absperrung und hält dort eine Hand. Am Ende des Konzerts geht er rückwärts von der Bühne und sein Mund sagt I love you Richtung erste Reihe.

Freitag, 4. März 2011

Nadine thinking again

One of my personal goals this year was to write more, no matter what, as long as it was genius and poetic, of course. So far, I have not succeeded. More than two years ago I chose to start writing a blog to share with my friends and anybody interested. A characteristic of a blog is that it is usually about a certain topic. Lets say travel, as my friends Tara and Tyler´s blog www.goingslowly.com. And, usually, it is written on a more regular basis than this one. I saw the movie about the woman writing about cooking Julia Child´s recipes, one per day. I liked that. Not necessaryly daily, though. This is a wonderful blog: http://fashionfabi2.blogspot.com and it is about fashion and Honduras and it does not come out daily. Then there are blogs writing about other blogs... My blog turned out to be about me going to concerts and going out with friends. This is not what I thought it would be, initially. But those were, unfortunately, the only times that sentences started to form in my head. I had the thing written out by the time I got home. Writing is hard work, and that´s about all I know about it. But I always thought I would be writing short stories. Those are my favourite. They are always too short, but, on the other side, every good novel is in the end. You don´t want it to be over. But with a short story you don´t know much once it is over, it´s just a peek you get and then you are being catapulted out again. But no inspiration on that side.

Today was the first time since August 2008 I really had the urge to go into a book store again. The first time since I stopped working at one. I used to be at the one I worked at all the time, even on my days off. And the one next to the university. And I would buy tons of books. In my experience you have to read tons of books to have the pleasure and excitement of finding a truly great one. Which is what happened to me trying to fulfil another goal for this year: read all the unread books on your shelf before buying new ones. And I really got lucky: a battered copy of "American Gods" by Neil Gaiman that suddenly turned up at my parents´ house and nobody knew where it came from. I took it to the unread shelf where it has been sitting for months. I finished it today, reading even the book club discussion questions. I wanted more and I needed a book store. It didn´t have any Neil Gaiman books which is why I will spend a miserable weekend waiting for my Amazon order to arrive on Monday. Hopefully. I had read "Stardust", which was good, because I liked the movie they made out of it. And I was lucky not so long ago because I read "Freedom" by Jonathan Franzen. But it has taken me more than two years to find greatness since "The short wondrous life of Oscar Wao". Of course there were good books. Light ones. There was reading pleasure. And there was Roald Dahl´s "Charlie and the Chocolate factory". I am not complaining. I am just even happier when I find one of THE books. Surprisingly, a lot of the books in the English section looked very appealing. Apparently they are doing something to the design that makes you want to eat them. They all look delicous and a lot of them have strange titles something along the line of "Me,Franz Willough, Rhinocerous hunter" or gosh I can neither remember nor make up anything else. Suddenly I felt weighed down by all the books not being the one I wanted which was "Anansi Boys" or "Coraline" and I had to leave. I dream of this bookstore where I can spend comfortable hours finding my TRUE books.

Lately I have been thinking in English a lot which is good for my fellow English readers otherwise this would most probably be in German. "Are you sure you havn´t forgotten anything?" or "OK now, what do we need?". Then I pass a man on the street telling his wife that ther are, indeed, many people talking to themselves these days. That´s not what I am doing, at least not out loud. Talking to myself while shopping, for example, is my post-it.

Have you noticed my commas? I decided to use them more regularly. We were taught: "If in doubt leave it out". And I still recall the title of a book "Eats, shoots and leaves" about English punctuation which I think is hilarious regarding the fact that this title describes a panda´s eating habits. Maybe I should get that book because it turns out I suck at English punctuation. Yesterday my colleague casually filled in my almost non-existing commas in a five page English text I had typed. Wasn´t my main concern when studying interpretation...

...and even a degree can leave you dumbfounded when facing changes in the daily routine. In the metro station they changed the escalators to going up where it was going down before. Believe me, it took me more than a second to stop standing there like an idiot before turning to the other on going up now. But the girl singing at the trains and announcing each one arriving in a booming voice was there. A day like any other, after all.

Sonntag, 28. November 2010

Saturday night blast

My friend Julia takes me to a party that she has been invited to by the boss of an agency that is taking its 10th birthday as an occasion to celebrate it big on the office premises. The T-Shirts the employees are wearing let everybody know that the agency is "becoming 10 years". Regarding the fact that the name and logo is all bee related maybe they should have put "beecoming 10 years", instead of making it clear that somebody didn´t have a clue. The bar is packed and we start ordering several beers at once just to save us the hazzle. The boss has fallen off his motor bike just this morning, has something in his arm snapped and looks pained, vacation cancelled, surgery on Thursday. I hope the little dog being dragged around is already deaf, otherwise he will most likely be so by the end of the night. There are two entertainers but they are already wrapping up, then there is a DJ.
We check out the other people and we quickly find out that the guy not saying a word all night next to us is the company´s computer guy. The guys on the other side apparently work at Siemens and are pretty stuck up and don´t loosen up a bit in the course in the evening. The girl in front of us starts talking to my friend in English. "Apparently she´s from abroad, she speaks English", Julia tells me.
We ask her where she is from. She replies: "I´m from Germany but I thought you were from Israel." "No, we´re German", we reply in German. Apparently a misunderstanding.
The night goes on and as we don´t really know anybody apart from my neighbor who turns out to be working here we do all the embarrassing things. We sing along loudly and into each other´s beer bottles and dance around wildly, there is definitely some drinking going on. The little dog is thirsty and starts drinking out of a beer puddle on the floor where somebody has dropped a bottle. Somebody brings the dog a bowl of water.
"The guy to your left is taken, he is with my sister. But the guy to your left is free", the girl from before tells me. Apparently another misunderstanding.
"Thank you, but I am also very definitely taken", I reply.
More for us to giggle. Almost nobody is dancing, the DJ is trying really hard. We don´t care, even better for us. We figure out that other people can´t let go that easily and talk about work even at 2 a.m.
Every time I go get drinks the barmen tell me what´s out. Gin? Out. Lime? Out. Icecubes? Don´t even ask. Aperol? Ha, funny. Prosecco? Gone hours ago.
When we decide to leave we find the other guy Julia knows and he introduces us to a friend. "Are you from Israel?" This is really strange. We shake our heads. "I just got back from Israel and you guys look like you were from Israel."
Someone hands me a small bag of fizzy powder and a shot of wodka. I empty the contents into my hand and someone counts to three. I slap the hand to my mouth. Half the powder misses my mouth and most of the rest hits my windpipe. I try in vain to wash it down with the shot. The fizzy stuff explodes in my mouth. Coughing I try to calm down. That was a first. I find my way to the restroom and with one ear hear the guy asking my friend if we work for Mossad. When I get back they are still going on about it and I decide that the inflationary use of the word Mossad at this hour is too much.
I manage to get Julia out.
"You guys don´t work here, do you?" a guy we say bye to asks. "No, more fun for us that way!"
I find her and me a taxi. What a great night!

Sonntag, 17. Oktober 2010

I have been writing this blog for sometime and want to try writing it in English a bit. And it isn´t always this gloomy.

Analogdigital
Is a free festival in Munich they revived as far as I understood it. That´s what I heard when a man introduced by a lady that looked like a teacher in her first year talked about the event. But I was generally comparing the setting to a school so I was not listening vary attentively to the "director". The first band can not have been older than 17, 18. It all looked a bit like a school but with carpeted floors. It is actually something like an opera with different sized auditoriums. One of my friends told us that his hairdresser would be there. Apparently he makes "nintendo music". So I constantly looked out for this guy. The man who Dj-ed at my birthday is a hairdresser as well. He calls himself Frank the rocking hairdresser or something in that fashion. The other guys we are there with are talking about old bands they used to listen to. Every time we see them they are still going on about it.
"They are still touring? This is so cool!"
" Yes, they have a new album out!"
"So cool!"
"What, you don´t know them?"
This festival was about digital and analoge things. There was a man on the floor furiously scribbling on a piece of cardboard creating sounds that were recorded by microphones and boomed at the onlookers (I guess digital). The girl in the glass box with skin coloured underwear must have been representing the analog part. Drinks are not allowed in the auditorium. There are local and regional young bands on the schedule.
I am especially looking forward to Missent to Denmark. I have seen them before and bought their CD. They play a good concert. Atmosphere is different from the other time. Their performance is backed up by videoinstallations on a big screen.

Unfortunately the beer doesn´t help much this evening. It all feels kind of stale. And Saturday is a work day for me. I buy the inevitable button and walk to the subway.

General knowledge
With job applications it´s different from university applications. You dread the big envelope. Big envelope from the university means welcome and we are sending you all the important information you need to get prepared and maybe survive the first weeks in a better condition than without. Small envelope means we wish you all the best, get your degree somewhere else. But university is over and now the big envelope means: we are sending your application back to you because we don´t need it and you neither.

Montag, 20. September 2010

Heimspiel

In der Woche vor unserem Urlaub wurde meine Mutter schwer krank ins Krankenhaus gebracht. Der Urlaub wurde temporär aufgehoben, verschoben oder wie man immer das auch nennen will. Und ich bin daheim, Tochter und Schwester.

In Anbetracht der Tatsache, dass daheim gerade keine Bombenstimmung herrscht und ich auch aus einer zugegebenermaßen hässlichen Stadt komme, die einen deprimieren kann, wenn man nicht damit umzugehen weiß, kann ich meinen Freund verstehen, der nach einigen Tagen zu seinen eigenen Eltern fährt.

Mehr Zeit für mich, um mehr Haushalt zu machen. Wenn ich nichts anderes zu tun habe kann ich problemlos stundenlang putzen und bügeln und Haushalt machen. Haushalt gibt es daheim genug. Da die negative Seite der möglichen Diagnose meiner Mutter extrem beschissen ist, stürze ich mich gerne zur Ablenkung in die letzte Ecke dieses Hauses und erledige Staub und Bakterien mit Meister Proper und co.

Ich fahre ein bis zweimal täglich die 20 Kilometer in die Klinik, sitze am Bett meiner Mutter, streichle ihre dünne Hand, creme ihre Arme ein, lächle ihr aufmunternd zu und fülle Wassergläser nach. Sie sieht jeden Tag etwas besser aus, aber das Fieber will einfach nicht verschwinden und ich denke an die Untersuchungen, die ihr noch bevorstehen.

Apropos: Liebe Autofahrer aus dem Landkreis Calw. Auch wenn die Fahrschulen bei euch offenbar einhellig beschlossen haben das Kapitel Mindestabstand zu ignorieren: es gibt ihn. Halber Tacho sag ich nur, Bremsweg und so. Und man kann sich, sogar im Dunkeln, an den weißen Pollern am Rand orientieren. Ihr wollt wohl die Unfallstatistik auf der Drecksstrecke weiter hoch halten. Schon klar, seit Polt weiß jeder, dass es in diesem Land Menschen gibt, denen wos pressiert, aber die schönen Blumen am Straßenrand, die wachsen nicht von alleine da. Ihr habt sie doch nicht alle!

Zuhause könnte ich eigentlich den kompletten Tag am Telefon verbringen, denn es kommt nicht nur der tägliche Kontrollanruf meiner Tante aus Uruguay (Wie geht es deiner Mutter? Hat sie was gegessen? Was genau? Wer ist bei ihr? Was sagen die Ärzte? Wie geht es deinem Vater?. Freunde, Bekannte und Familienmitglieder erkundigen sich nach meiner Mutter und Handwerker, ehemalige Schüler und weitere rufen aus den völligst unterschiedlichen Gründen an.

Ich brauche Ablenkung. Samstag gehe ich los und kaufe ein: Schokoladentrüffel, ein Schälchen (mein Allheilmittel gegen fast alles), Gisbert zu Knyphausen CD und New Moon DVD (ich weiß, perverserweise kann ich mir den immer wieder reinziehen, auch wenn er so schlecht ist).

Und am Abend gehe ich los, mit meiner Freundin Hanne. Eine Abend voller Gin Tonic und etwas Bier. Im Salt n Pepper (?) gibts Drum n Bass, genau mein Ding. Aber du wolltest dich doch ablenken, sagt Hanne. Wir gehn ins Mokka, das ist immer schön.
Gegen 1 sind wir mit Hanne und ihren Kommilitonen im Salt n Pepper und es ist gar nicht übel. Kleiner Laden im Keller. Und mein ewiger DJ Michael Müller legt auf. Ich bin immer wieder überrascht, dass er immer noch unterwegs ist.
Bist du der Sohn vom Heiner Müller frage ich einen Burschen. Er sieht so aus, wie ich mir vorstellen könnte, dass dieser Sohn eines Lehrers unserer Schule heute aussehen könnte. Ich kann mich nicht an seinen Namen erinnern. Ich fand ihn mit 16 oder so ganz süß und wartete immer an der Bushaltestelle, um zu sehn ob er kam und um ein paar Worte mit ihm zu wechseln. Das Highlight war es, ihn in der Eislaufhalle zu treffen. Aber wie erklärt man das jemandem in einem Club? Leider verstehe ich seine Antwort nicht und der Name fällt mir erst später ein. Sebastian.
Offenbar war er es nicht.
Diesmal lasse ich es mir nicht nehmen Michael Müller anzuquatschen. Du kennst mich nicht, aber du bist mein ewiger DJ, der Dj meiner Jugend! Er findet das super, freut sich, wann wo und überhaupt und fragt wie ich von der Party erfahren habe. Er erzählt mir, dass er nur noch im Duo unterwegs ist und zeigt auf seinen DJ Partner. Ausserdem sagt er, dass er die Lautstärke nicht mehr so verträgt und ob ich noch ein Paar Ohrstöpsel dabeihabe.

Na, ist viel los? frage ich den Taxifahrer.
Seit Stunne. Sisch echt was los hoit. Im Fläsch, im Casa isch Revival, im Plus.
Gut, sage ich. Gut fürs Geschäft.
Ha ja, besser so als annersch.

Am Sonntag kann ich nicht mehr. Ich ziehe meinen Hund spazieren und lasse den Besusch meiner Mutter ausfallen. Dann schaue ich den Rest des Tages DVDs. Morgen ist Montag. Montag ist Arzttag.

Dienstag, 3. August 2010

Singing in the rain

Diana bekommt einige Freikarten für Bad Religion und wir gehn alle hin. Ein neues Gesicht, der Severin, süß. Wir sind alle nass und drin in der Tonhalle ist muffel und feucht, "wie Männer T-Shirt in die Ecke geknallt zum trocknen und Bierdunst", sagt Anja.
Wir sind uns alle einig: Bad Religion, das waren früher die bösen Jungs in deiner Klasse oder eine drüber. Die, die vor der Klassenfahrt ins Kloster nochmal den Iro nachschneiden, färben und hochstellen, dazu das passende T-Shirt. Davon gibt es heute Abend genug (Bad Religion T-Shirts und böse Jungens), nur dass die mittlerweile alle Juristen und Unternehmensberater sind. Ich denke die ganze Zeit Benny Götze, Fabian Frischauf und Marco Zink, seid gegrüßt, wo immer ihr auch seid!
Ausserdem sehen wir eine beachtliche Auswahl an Slayer, Metallica, AC/DC und Biohazard T-Shirts. Die Fanshirts am Verkaufsstand haben sich nicht verändert und daher einen hohen Wiedererkennungswert und gehn wie geschnitten Brot.
Wir stehen zu dritt eine halbe Stunde fürs Bier an. "Die müssen alle so viel trinken, um die innere Wut zu beruhigen. Die sind nämlich alle furchtbar wütend."
"Vielleicht nehm ich doch lieber ne Weinschorle?"
Trink schneller befiehlt Stefan, als ich gerade meinen ersten Schluck nehme, wir stellen die Susanne auf die Becher. Gute Frau sagt er, als ich ihm wenige Sekunden später den Becher reiche. Susanne bekommt einen erhöhten Stehplatz, ich stütze sie, damit sie nicht runterfällt. Stefan holt nochmal Bier.
Die Band spielt los, 30 Jahre Bad Religion! Einer zieht sogar sein T-Shirt aus. Der Sänger erzählt einiges, was mich meistens furchtbar nervt. Klimawandel, new dark ages? Der Mann ist Bioprofessor, erklärt Susanne. Ach nee, erfolgreicher Künstler seit 30 Jahren und akademisch erfolgreich? Lassen wir das.
Am Ende des Konzerts gibt es nasse Männer ohne T-Shirt, die werden draussen oder auch drinnen ausgewrungen, das neue Bandshirt schon parat über der Schulter.
"Da war einer mit seinem kleinen Sohn da", meint Anja.
"Da war einer mit seiner neuen Frau da", meint Tom.
Es regnet weiter. Die nassen Männer gehn im Regen heim.

Dienstag, 27. Juli 2010

Nähmaschine des Grauens

H&M
Es ist Ende Juli und man bekommt kein Sommerkleid mehr. Der Ausverkauf, traurige Reste des Sommers, hässliche geraffte Oberteile, kaputte Ohrringe mit Federn, einzelne Bikiniteile. Wann hat er wohl angefangen, wenn ich schon zu spät dran bin? Der Herbst ist da und mit ihm die gedeckten Farben. Zumindest in den Warenhäusern. Rot ist offenbar tabu, alles ist lang und unförmig und aus Jerseymaterial. In der Stadt, schwarzgewandete Gruppen. Es ist Juli, die Besuchszeit für die Einkäufer aus den Arabischen Emiraten. Tütenbepackt. Durch die wiederkehrenden Regengüsse. Mit Fenditaschen. Woher kommt dieser Hunger nach Yes-Törtchen? Gibts die eigentlich noch?
Ausserdem Mädchenhorden. Eigentlich sind hier noch keine Ferien, aber ansonsten schon überall, also können es keine Klassenfahrten sein. Geht wahrscheinlich keiner mehr hin, in die Schule. Und wieder ist es unmöglich zu sagen, ob sie 15 oder 18 sind. Spielt dieser Unterschied noch eine Rolle? Vor kurzem wurde ich gefragt, ob ich immer ???-Kasetten gehört hätte oder warum ich sonst alles analysieren würde.

Eclipse
Ich war im Kino und hab die Fortsetzung des Vampirfilms gesehen. Die Mädchenhorde neben mir sagt ständig Ich versteh kein Wort, obwohl sie vorher mehrfach betont hat: Ich muss mich konzentrieren, also Ruhe.
Ist die Originalfassung ohne Untertitel. Sie seufzt auch, wenn der ungefähr 17jährige Hauptdarsteller mit nacktem Oberkörper erscheint, was er einige Mal tut. Offenbar tragen Werwölfe nur Shorts. Die Hauptdarstellerin verbringt den Film damit kritisch, ungläubig und verwirrt dreinzusehn.
Worüber ich mich stundenlang aufregen könnte? In diesem Film (und auch in den Büchern) gibt es keinen Sex. Das ist eigentlich kein Problem für mich. Nein, also ich meine, hier ist Sex an Ehe gebunden und auch damit habe ich kein Problem, nur dass dieser Film aus jeder Zelluloidpore Sex ausströmt. Sie will, er will und der andere auch. Dieses musikunterspülte Verlangen, das niedergeschlagen wird. Dazu mehr verwirrte Blicke, heftige Küsse, wildes den anderen an sich ziehen und Haare wühlen, das ganze Programm. Es ist eine komplett verdrehte Wirkung. Während es im Film darum geht dem Verlangen zu widerstehen, wird jedes Mädel (die meisten minderjährig und unverheiratet und Jungs sind keine anwesend)aus diesem Film gehen und nur eins denken. Beknackt. Ob das im Sinne der Autorin war? Übrigens, wenn ES dann im nächsten Buchband tatsächlich passiert, ist es noch schlimmer, da hilft kein Haare wühlen mehr. Wenn man will, dass Leute keinen Sex haben, hätte ich bessere Ideen. Stundenlang könnt ich mich drüber aufregen. Die SZ schreibt übrigens: Die Hauptdarstellerin verschwindet immer aus der Mitte, um allen Mädchen die Möglichkeit zu geben, sich selbst hineinzuträumen. Oder so. Beknackt. Musste ich unbedingt sehen.

Mittwoch, 30. Juni 2010

MTV

Mittwochs hab ich frei, da geh ich zum Sport. Während der Zeitzähler runter und der Kalorienzähler raufzählt kann ich MTV schauen und morgens kommen da Videos.
Freunde, das wird nichts mehr mit Chad Kroger und seinen Haaren und Nickelback schaffen es tatsächlich ein Video mit allem vollzupacken, wie man überm Teich wohl gerne feiern würde. Mit Stripperinnen im Vorgarten und so. Fast muss ich mich schämen.
Wird das Sportfreunde Fußball WM Lied wohl spätestens nach dem 11.7. nie mehr gespielt werden? Man kann den Titel doch nicht etwa weitererweitern? 54, 74, 90, 2014. Is gut jetzt.
Ein fertiger Franzose trinkt zuviel. Und geht aus, tanzen.
Oh, Jared, was ist mit deinen Haaren los? Wir stehn doch eh alle auf dich, aber ein pinker Irokesenschnitt?
Cypress Hill sind wieder da. Und Snoop Dogg. Mit einer blauperückten Katy Perry im Zuckertraumaland mit anderen süßen Mädels, die Zuckerwatte essen.
Ich hab auch Hunger, allerdings will ich da nur noch runter zu McDonalds. Die 45 Minuten sind rum.

Donnerstag, 13. Mai 2010

Guten Abend, vielen Dank

Am T-Shirtverkauf liegt ein Flyer. Tell us your Kashmir moment in word, video and photo. Das, liebe Freunde, tue ich nun hiermit.
Irgendwann Anfang 99 lernte ich Jan kennen, der in einer Frankfurter Band Schlagzeug spielte. Oder Bass. Er war 2 Meter groß und ich fand ihn toll. Man sah sich öfter, passte aber alles nicht. Wie soll so was schon laufen, wenn man 19 ist? Ich fuhr nach Frankfurt zum Konzert, wir gingen zusammen in die Batschkapp. Er kam zu meiner Party, ich fuhr wieder mit anderen Freunden nach Frankfurt und feierte mit ihm. Wir saßen stundenlang im Cafe Karin. Er stand auf eine andere. Wußte auch sonst noch nicht was und wie. Das ganz normale eben. Wir verbrachten auch Silvester 99 zusammen, redeten da aber schon nicht mehr. Maxi trug ein T-Shirt: Ready for 3000? Jan wollte den ganzen Abend New Year´s Eve von Kashmir hören. Ich kaufte mir The good life eher aus nostalgischen Gründen. Hörte erstmal nur noch das. Kaufte mir 2003 Zitilities. Klar hab ich noch andere Bands gehört, aber Kashmir konnte ich tagelang, wochenlang hören, ohne das Über-Gefühl zu haben, das es mir bis heute unmöglich macht Californication einzulegen.
2004 in Köln. Es fand eine Label oder sonstwas Party statt, die ich mir nicht leisten konnte und sagte zu meiner Mitbewohnerin, der perfekten Anne, ich wäre eh nur wegen Kashmir hingegangen. Am nächsten Morgen erzählte mir die perfekte Anne strahlend, die blöde Kuh, rat mal wen ich kennen gelernt hab. Die sind ja so toll, blablabla. Hass. Hör dir erstmal ne CD an. Die perfekte Anne stand dafür auf jedem Kölner Konzert auf der Gästeliste und traf Kashmir auch während ihres Auslandspraktikums in Australien. Sie hat mittlerweile 3 Kinder, einen Sohn hat sie nach dem Gitarristen benannt. Und sie ist eigentlich ne Nette.
2004 bei Rock am Ring. Lauter kreischende junge blonde Mädchen bei diesem Nachmittagskonzert. Ich hol mir ein Autogramm.
59:1
Wir stehen vor der Bühne. Vor uns, das müssen alles Dänen sein. Eine Riesenfrau (und ich denke Daryl Hannah) schiebt sich durch und bleibt vor Felix stehn. Gedrängt rieche ich frisch gewaschene T-Shirts. Zum Glück. Ich muss die Band auch nicht sehen. Denke Aftermath, Ramparts, Gorgeous. Und bekomme einen wunderschönen Abend mit einer der besten Bands der Welt.

Mittwoch, 14. April 2010

Die Uhr

Eine Kundin.
"Ahh, ich sehe Sie haben auch die Uhr.!
"Ja, in weiß."
"Ach, in weiß gabs die auch?"
"Ja, die fand ich gut. Kaufhof hatte nur drei Farben da und ich krieg da Prozente."
"Ja, die passt auch zu allem in weiß."
"Ihre ist auch sehr schön, schöner Blauton."
"Heute passt sie aber nicht zur Kleidung."
"Das ist völlig egal. Man darf alles trgaen."
"Ja, aber in weiß..."
"Ich möchte mir auch gern noch eine andere Farbe kaufen."
"Ja, nicht schlecht. Die kann man ja auch bezahlen."
"Ich war mir nicht sicher, ob sie schnell dreckig werden würde. Die Verkäuferin trug ihre erst seit kurzem. Aber das Band soll nur ein Jahr halten."
"Wenn man sie immer trägt nutzt es sich vielleicht schnell ab."
"Und sie tickt sehr laut."
"Stimmt, das haben die immer schon getan. Ich muss sie nachts immer verbannen."
"Ja..ehmm...Tüte?"
"Ja, danke, schönen Tag noch."
"Wiedersehn."

Sonntag, 28. März 2010

Schlachtgerüste aus Leidenschaft

Levve in Minga par excellence!

Fasten
Es ist Fastenzeit und man fastet. Ich kann zur Fastenzeit nur sagen, dass die Maultaschen zur Fastenzeit erfunden wurden, da ein schlauer Mönch aus Schwaben Fleisch mit Teig umwickelte um Gott zu bescheissen und unbemerkt Fleisch essen zu können. Freitags gibts Fische zur Fastenzeit. Hier werde ich gebeten Einladungen erst nach Ostern auszusprechen, da auf Alkohol verzichtet wird. Eine Freundin verzichtet auf Schokolade, von der sie normalerweise eine Schachtel am Tag in Büro vernichtet, und zwar nicht süß Stück für Stück sondern ziemlich gierig.
Ich hab mal Heilfasten ausprobiert, aber ich werds euch ersparen. Allerdings sollen Einläufe wirklich gesund sein. Die Idee des Verzichts in der Religion. Andere sollten auf ganz andere Sachen verzichten können und können es auch nicht. Lassen wir das.

Wacken
Ich hatte Kunden da, die gerieten in Verzückung beim Anblick der Sporks, einer gewitzten Kombination aus Gabel, Messer und Löffel.
"Gibts den auch in schwarz?"
"Ist leider aus. Ich hab ihn nur in anderen Farben da."
"Ne, wir brauchen den in schwarz. Unser Sohn fährt nach Wacken."
Auf meiner Theke liegt ihre Ausbeute: Campingklappstuhl, 3 mal Fertigfutter, ein Schlafsack.
"Ist es ihr erstes Mal?"
"Wir waren zusammen bei Rock im Park. Aber jetzt hat er gesagt, er will mal allein."

Das Geld kommt aus der Wand

Wir gehn aus und vertrinken zu Monatsende das Geld, das erst kommen wird.
Im Netzer ist es erstmal ruhig, wir trinken Bier und Rum Cola.
"Kannst auch Cuba sagen, das versteh ich auch", sagt die Bedienung.
Dann versuchen wir es in der Blumenbar nebenan, neuer Laden des Münchner Verlags. Sauvoll, elektronisch.
Wir gehen wieder, wollen noch ein bischen rumziehen. Wird ja wohl kein Problem sein. Sin ja im Glockenbach. Überall stapeln sich die Leute. Ich bin genervt.
Im K&K Club wird es noch schlimmer. Ich will hier raus und werde wieder nüchtern. Ich sehe überall gleich aussehende Leute. Und Riesenegos. Wie Hammerhaie.
Wir gehn ins Maroto. Unterwegs gibts schon ne Riesendiskussion.
"Willst mir doch nicht sagen, dass es in Köln mher coole Läden gibt."
"Doch, eins, zwei, drei."
"Da waren wir nie. In Köln gibts auch schlimme Läden am Friesenplatz."
"Da waren wir aber auch nie."
"Und der Rose Club ist für Kinder."
"Ist es nicht."
Im Maroto rauchen zwei Frauen auf dem Damenklo.
"Wie im Flugzeug", sage ich. Das finden sie wohl witzig.
Auf dem Männerklo wird gekokst.
Wir gehen zurück ins Netzer. Mittlerweile ist es so ätzend wie man es gewöhnt ist. Alle Sardinen dürfen rein. Die Musik ist auch nicht besser.
"Wieso sind wir wieder hier?"
"Weil die anderen da sind."
"Warum sind wir nicht im Maroto geblieben?"
Wir bleiben. Von einem Schluck auf den nächsten bin ich fertig und schlafe erstmal.
Wir probieren es irgendwann bestimmt nochmal.
Oh, und ich bin großer Freund des Rennsalons.

Berlin
Als Zugezogene war es mir zu Beginn nicht bewusst, dass Berlin hier ein rotes rotes Tuch ist.
Das und anderes wurde mir deutlich vor Augen geführt, als ein Münchner Blog über die Schließung des Excess, einem Laden mit Kultstatus im oben besuchten Glockenbachviertel, berichtete. Der Inhalt war schnell überrissen. Excess macht zu, ein weiterer Laden geht, Gentrifizierung, ehemaliger Dönerladen, kultig, voll, laut, Lärmbelästigung, neuer Laden woanders. Was folgte war eine großartige Kommentarreihe zwischen mehreren Menschen, die alles sehr klar macht.

"Gut so, dann kann ich endlich wieder in Ruhe schlafen."
"Du Arschloch, wenns dir zu laut ist, zieh doch an den Starnberger See."
"Ich dachte der Türsteher passt auf wie ein Luchs."
"Ich hab keine Probleme."
"Vielleicht hast du bessere Fenster. Und ich hab echt nichts gegen Feiern. Selbst in Berlin wars nicht so laut."
"Es kotzt mich voll an, dass alles immer mit Berlin verglichen wird. Hast wohl Prenzlauer Berg gewohnt, da passiert das gleiche wie hier."
"Hab gehört, es soll schon eine neue Location geben."
"Jetzt sind überall Yuppies, alles ist vollgekotzt und prollig."
"Wandel kann man nicht aufhalten."
"Ich würd gern da wohnen, ist aber dank der Wichtigtuer nicht mehr bezahlbar."
"Wer Abwechslung bei Kneipen sucht, sollte nach Berlin ziehen."
"Ich wohn schon länger da als alle und es ist echt immer schlimmer geworden."
"Dann zieh weg."

Liebe Freunde,
für mich war Berlin nie die reine Erfüllung und Glückseligkeit, hier allerdings
ausgehtechnisch-kulturell wohl ein nicht gern gesehener Vergleich und das Ansprechen des Themas erfordert schon sowas wie Zivilcourage. Ansonsten verabscheuen sich die Menschen. Alles beim Alten.

Samstag, 30. Januar 2010

Nadine denkt nach

Ich hab doch keine Ahnung was die Jugend denkt und fühlt,
aber ich kann mir schon vorstellen, dass es irgendwas sein wird, soviel wie ich damals nachgedacht und gefühlt hab. Und das unbändige Gefühl mit allen darüber reden zu müssen. Allerdings sind diese Zeiten vorbei. Es ist wie ein Labyrinth, Wände erheben sich hinter einem und man kann weder zurück, noch sieht man etwas. Das sind vergangene Zeiten und man vergisst sie. man sieht noch die hässliche Brille, die Zahnspange. Bis man die Karottenhosen endlich los hatte. Und das wo immer alles da war und das ist jetzt nicht anders. Dann kam die krasse Zeit dazwischen. Und jetzt. Ich verstehe die Musik nicht und die Mode und natürlich ist es völlig egal, weil ich keinen in dem Alter daheim hab, aber ich schau mich um und ich kann nicht mehr sagen, ob sie minderjährig sind oder schon 18. Ich tendiere zu älter. sie sehen alt aus. Das liegt vielleicht an der stadt. Kann mir aber auch keiner sagen. jedenfalls siezt einen jetzt jeder, die eigene Jugend ist vorbei und wir gehn zum rumwippen in irgendwelche Läden und lästern über die, die älter sind oder anders. Muttis in Strickjacken und warum sehen die alle aus wie Pädagogik- oder Ethnologiestudenten.Ich denk an früher, da wollte man immer weg. Jetzt ist anders. Richtig tanzen ist nicht und es ist weg wie die Erinnerung an all das worüber ich in meiner Jugendzeit nachgedacht hab und daüber die ganze Zeit geredet hab und mit allen. Ich brauche Alkohol um locker zu werden und starre in leere Ecken und sage mir, es kennt dich keiner und alle anderen sind betrunken. Das Gefühl ist irgendwie falsch, Freunde lassen sich scheiden und das war ein Fehler und eigentlich ist man doch immer allein. Ich will den ganzen Tag Element of Crime hören. Die gibts schon ewig und als ich jung war hab ich die nicht gehört. Ausserdem will ich zu meinem Rotwein eine Zigarette und darf daheim nicht. Früher hab ich im Bett getrunken und geraucht. Nachts schreit jemand im Treppenhaus, 2 Minuten alle paar Tage und keiner ruft die Polizei, ich auch nicht. Man gewöhnt sich an alles.

Sie sind völlig gesund, sagt mein Arzt. Die Blutwerte sind super. Nein ich weiß auch nicht. Vielleicht haben Sie eine kleine Winterdepression, gehen Sie raus, in die Berge, Ski fahren oder rodeln, dann kriegen Sie ein bischen Sonne ab!

Montag, 21. Dezember 2009

WG Party

Am 5.12. wurde die legendäre jährliche Party gefeiert.

Es hat ein Jahr gedauert bis man sich wieder durchgerungen hatte.
Man einigt sich auf 17 Kästen Bier, ein von Topf zu Topf schärfer werdendes Chili, das den Gästen die Tränen in die Augen treiben soll, ein Motto und allen Gästen wird der neue Verhaltenskodex mitgeteilt, dessen Abwesenheit die letzte Party total hatte aus dem ruder laufen lassen: Bringt keine Freunde mit (ja Partner schon, und OK einen Freund auch, aber nicht mehr). Man freut sich auf Freunde von ausserhalb, die extra kommen.

Und nachdem wir den ganzen Tag vorbereitet haben, geht alles viel zu schnell los. Zum Glück haben alle schon ihre scheußlich guten Outfits an.
"Ihr habt gesagt um halb 8..."
"und wir wollten auch noch was zu Essen. "
"Was, das ist ne Mottoparty? Na toll, mir sagt eh nie einer was"
Die übliche Mischung aus Medizinkomgressteilnehmern, mottotreuen Outfits und Unverkleideten stapelt sich im Wohnzimmer um nach und nach nach nebenan zur Musik zu schwappen.
Relativ schnell ist der Punkt erreicht, an dem man betrunken tanzt oder total aufgeregt mit Freunden spricht, um von einem Moment auf den anderen wegzugehen, um sich was zu trinken zu holen und nie mehr wiederkommt, weil man 2 Meter weiter schon wieder total euphorisch Leute zutextet, aufs Klo geht oder sich auf die suche nach Zigaretten, Bier, anderen Leuten oder seinem Lieblingsgetränk macht. Auch diesmal kommen die Leute noch bis spät an und jedes Mal beim Durchschieben durch die Wohnungen trifft man neu angekommene Gäste, fragt man sich, ob jemand diese Mädels kennt, die seit Stunden im Wohnzimmer lästern und alle gleich aussehen (ja, sind Kolleginnen) und wo schon wieder alle herkommen, wo doch so viele abgesagt haben sollen.
Viel zu schnell ist es spät, die Musik fällt aus, auf beiden Anlagen. Vielleicht ist das der Grund, dass sich die Nachbarn friedlich verhalten. wir versuchen dafür um so lauter mitzusingen. Einige Freunde sind an diversen Stellen eingeschlafen, andere wollen lautere Musik oder was zu essen.
Immer öfter liegt man sich mit Leuten in den Armen, alle beteuern wie toll das alles hier ist. Manche verschwinden von einem Moment auf den anderen.
Die übliche Handvoll blockiert die Küche und schwärmt von den Wasabi-Chips, die leider viel ztu schnell alle waren und warum gibts nichts mehr zu essen.
Um halb 6 ist es vorbei und den Rest lässt man einfach noch wankend in der Küche stehen.
Augen auf und aufräumen. Die Jungs sind nach eigener Auskunft Fick und Fertig.Wir zählen Bierkästen, Rum-, Sekt-, Aperol- und Vodkaflaschen und schütteln gemeinsam den Kopf über den konsumierten Hartalk. Gemeinsam füllen wir Maximüllbeutel, die blauen, stapeln alles in den Flur. Wünschen, dass keine schlimmen Erinnerunge begangener Dummheiten hochkommen, tun sie aber immer. Bestandsaufnahme positiv. Wer knutscht mit wem? Wer ist mit wem gegangen und wann? War Dings da? Hunger. Und Durst. Hast du gesehen...? Und zu wem gehört die krasse Blonde, die fast die Balkontür eingeschmissen hat und Helen dann wüst auf Spanisch beschimpft hat? Müssen wir die no friends -Regel verschärfen? Erst mal Weißwürscht. Kassensturz. Großrein, schlafen, Photos kucken. Sich aufs nächste Mal freuen.

Samstag, 5. Dezember 2009

Hörsturzwoche, Teil Vier

Das wird leider nichts mehr mit mir und den Editors. Meine Gedanken während des Konzerts sind denkbar unpassend: "Ist das jetzt eine Allergie oder Schnupfen? Wo sind meine Tempos? Wer empfiehlt mir einen Arzt? Ob das noch was wird vor Weihnachten? Ich brauch auch nene Allergietest und ein Blutbild. Ich werd morgen die von der AOK rund machen. Wie kann man da abgehen, der Sänger singt als wäre er in der Oper. Wenigstens habe ich super Ohrstöpsel."

Sonntag, 29. November 2009

Hörsturzwoche, Teil Drei

Wer hätte gedacht, dass dies der Abend sein würde zu dem es am meisten zu sagen geben würde?
Wir wissen nicht, welche Bands wir uns beim on3 Fest anschauen sollen, deshalb folgen wir einfach Eberle, der uns sagt was gut sein soll.
Und wir sehen eine komplett überorganisierte Feier: soviel Security gab es nicht mal in der Olympiahalle und es sind wirklich alle Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks da, manchmal denkt man, es seien mehr Menschen mit Mitarbeiterschildern anwesend, als Zuschauer.
Das ganze findet in den Studios 1-3 statt, in die man aber nicht einfach so reinkommt, da die Security aufpasst, als würden in allen Studios Bands vom Kaliber U2s spielen und nicht die neuesten und unbekanntesten Nachwuchsbands.
Wir sehen Creme Fresh. Die sind großartig. Selten so eine Überpräsenz von Film, und Fotokameras und Kabelträgern gesehen, die ihr Equipment ins Gesicht der sichtlich genervten Bandmitglieder halten. Hier wurde noch jedem Praktikanten die Möglichkeit gegeben, eine Kamera zu halten. Danach Speech Debelle. Ich verlasse das Studio 1 erst gar nicht mehr, da ich fürchte nicht mehr reinzukommen, um Kettcar zu sehen.
Kettcar sollen mit Streichern spielen. Wir warten und ich stelle mich schon mal ganz nach vorne. Aber egal wie weit vorne man steht, es kann sich immer noch ein größerer Typ vor einen stellen. Diesmal in Form eines teutonischen Hühnen, der ziemlich betrunken vor mir hin und her wankt.
Es scheint Probleme mit der Technik zu geben. Die nächste Kamerafrau nimmt mit ihrem Kablejungen ihre Position ein. Der Kettcar-Roadie bastelt an Gitarren rum, verteilt blaue Handtücher und schenkt Rotwein in braune Plastikkaffeebecher.
Dann kommt ein Typ auf die Bühne und im ersten Moment denken alle, er wäre Teil der Streicher. Er spritzt den Roadie mit Bier nass und packt seine Gitarre aus. Auf einmal ist der Bühnenaufgang voller Menschen. Eine gestrenge Frau im schwarzen Kostüm scheucht die Kamerafrau von der Bühne, Securitymänner beziehen stattdessen Position. Und der Kerl sieht komischerweise wie Pete Doherty aus. Und es ist Pete Doherty. Er sieht so fertig aus wie in der Gala, wenn mal ein Bild von ihm drin ist. Eine dicke Frau im Silberkleidchen und silbernen Schuhen trippelt auf die Bühne und erklärt, dass sie Pete Doherty gestern beim Glühweintrinken aufm Marienplatz getroffen hätte und dass er gern ein paar Lieder zum Besten geben würde und dass Kettcar gesagt hätten, das ginge in Ordnung. Sofort spaltet sich das Publikum, leider auch die paar Menschen vor mir, die sich spontan aufgrund ihres Fanseins so unsympatisch sind, dass ich Bedenken habe, dass sie sich gleich in die Fresse hauen werden. Pete Doherty klampft ein paar Lieder, von Buhrufen, Applaus und Kettcar-Rufen begleitet. Er hat sich den Kontrabassspieler von Speech Debelle ausgeliehen. Ich frage mich unterdessen, wie ich die sich anpöbelnden Menschen vor mir loswerde, ob man Glühwein steuerlich absetzen kann und ob der Bayerische Rundfunk auf GEZ-Gebühren Koks kauft. Dann kommen auch noch 2 Ballerinas auf die Bühne, die auf Zehenspitzen herumtrippeln und jeweils eine Rose schwenken. Es ist wirklich absurd. Die Kettcar- Rufe werden lauter und Pete Doherty beschimpft das Publikum, singt unter lauter werdendem Protest des Publikums die erste Strophe der Nationalhymne, trinkt Kettcars Rotwein und sagt Red Car würden ja gleich kommen. Dann bemerke ich die Frau, die bereits die vorherige Band anmoderiert hat am Bühnenrand, neben der Menagerie, die sich dort versammelt hat. Sie sieht so glücklich aus wie ein Kapitän, der mit seinem Schiff untergeht.
Sie wirft sich nach einem Lied auf die Bühne und beendet Pete Dohertys Auftritt, der sie dafür mit seinem Mikrofon bewirft. Er zieht mit seinen zwei Betreuern, Ballerinas und Plektron-Reichern ab. Die Stimmung ist denkbar schlecht. Doch der folgende Auftritt versöhnt mich,vor allem da der betrunkene Hühne für eine halbe Stunde verschwindet und seine Freundin am Bühnenrand einschläft. Einige Zuschauer verlassen Studio 1 und so stehe ich in der ersten Reihe neben zwei Fans, die sich aufgrund der Streichbegleitung ansehen und "Wie geil ist das denn" sagen.
Kettcar sind toll und nach einigen Lieder stellen sie auch die Zuschauerin ruhig, die ständig "Deiche" schreit, indem sie ankündigen das Lied nicht zu spielen.
Seltsamerweise fühlt sich die Musik entweiht an, da es keine private Erfahrung mehr ist, man teilt sie mit zum Teil bescheuerten Leuten, die reinschreien und nerven.
Danach ist der Abend vorbei, in Studio 3 findet das letzte Konzert einer durchgeknallten Band statt. Ich seh mir die am Bildschirm an. Es ist kalt auf dem Heimweg.

Freitag, 27. November 2009

Hörsturzwoche, Teil zwei

Wir sehn Placebo in der Olympiahalle und viel mehr muss ich dazu nicht sagen.
(Ihr könnt gern mit mir gemeinsam sagen: Was ist das für eine Vorband? und ich verspreche, ich werde nicht mehr drauf rumreiten, ausser bei Gefallen.)
Bei Follow the Cops back home bin ich ganz allein in dieser großen Halle und das Lied wird nur für mich gespielt.
Brian Molko, Brian Molko und alles andere wäre untertrieben.